2008-09-06

Formentor

Bereits auf meiner Ostertour bin ich ja schon auf Cap Formentor gewesen. Beziehungsweise auf dem Wachturm beim Funkfeuer auf halber Strecke zum eigentlichen Cap und dem Leuchtturm.

Da es an dem Wachturm bei weitem nicht so voll ist, wie am Leuchtturm, und die Aussicht meiner bescheidenen Meinung nach ohnehin besser ist, als am Ende, führt uns unser Weg während der Elternzeit also zum Wachturm von Cap Formentor mit seinen in den 80ern illegal errichteten Rohbauten, die heute so langsam vor sich hin rotten, weil deren rechtlicher Status mehr als 20 Jahre nach der Erbauung nach wie vor ungeklärt ist!

Es kostet mich nicht gerade wenig Überredungskünste, bis ich Marco schließlich IN den Turm hinein gelockt habe. HOCH ist er ja freiwillig gekommen… Aber es hat sich definitiv mal wieder gelohnt, die rostigen, aber nach wie vor bombenfest sitzenden Eisen-Sprossen erst innen und dann außen zu erklimmen. Denn dort oben ist man nämlich alleine und kann wirklich ungestört die Aussicht genießen, Richtung Formentor schauen, den Parkplatz der Aussichtsplattform beobachten oder aber den Strand von Hotel Formentor von oben bestaunen…

Dann geht es aber doch weiter an den nördlichsten und östlichsten Punkt Mallorcas: Nach Cap Formentor. Raquel und Christian haben diesen Punkt ja schon bereits mit dem Boot passiert. Eine Tour, die bei weitem nicht jeder gemacht hat…

Wie zu erwarten, gestaltet sich die Parkplatzsuche mehr als schwierig und oft hat man Angst um Leib und Leben — der anderen Autofahrer, denn so manch einer hätte es mit seinen Fahrkünsten mal lieber lassen sollen, diese Strecke in Angriff zu nehmen!

Es ist voll, es ist heiß. Aber die Aussicht ist dennoch sehr schön!!!

Das Mittagessen nehmen wir, weil es annähernd auf dem Weg liegt, im schon bekannten “Kreisel-Restaurant” Bodega del Sol ein. Leider müssen wir feststellen, dass der Papagei, der eigentlich immer nur hola gesagt hat (vermutlich, weil die Touristen selber nichts anderes sagen können), nicht mehr da ist Frown.gif

Hatte ich schon erwähnt, dass es auch unter den Wein-Ranken der Bodega del Soll immer noch sehr warm ist?

Das Herrenhaus Els Calderes


Obwohl wir schon 5 Jahre als Touristen die Insel gut zu kennen meinten, blieben uns bis dato immer noch einige Sachen verborgen, so z.B. das Herrenhaus “Els Calderes”. Heute allerdings besuchen wir das Adelsgut mit meinen Eltern, Sabrina und Daniel. Wir haben Glück, denn wir können uns einer Reisegruppe mit Führung anschließen. Denn, obwohl mit Eintritt versehen, befindet sich das Haus immer noch in Privatbesitz; eine Führung vom Haus gibts nicht. Und das ist schade, denn das Haus birgt viel Geschichte und viele Geschichten über den Landadel und das mallorquinische Volk vor 200 Jahren. Damit ich jetzt nicht mein Wissen hier zusammenstückeln muss, verweise ich lieber auf schon fertige Berichte, so z.B. bei Teleweb mit einem kleinen Filmchen oder bei Wikipedia.

Einige Details möchte ich trotzdem kurz erwähnen: Da ist z.B. der Weinkeller, in dem auch typischer Landwein verköstigt werden kann. Von Fässern über Herstellungs-Utensilien bis hin zu fertigen Flaschen ist dort alles zu finden. Mit den Flaschen ist es allerdings so eine Sache: Man hat sie auf dem Landgut ‘gefunden’, sie haben viele Jahrzehnte in der Erde vergraben gestanden. Ihr wisst, dass Weinflaschen hinzustellen nur bei ALDI in Kartons sinnvoll ist, zur Lagerung muss Wein natürlich liegen. Jedenfalls ist der Wein in den Flaschen schon lange Essig, man riecht es beim Vorbeigehen. Ansonsten wären diese über 100 Jahre alten Flaschen sicherlich auch nicht mehr vollzählig in den Regalen. Diese Glocke im Regal ist übrigens was ganz Besonderes: Bei der Hochzeit von Lady Di und Prinz Charles bekamen die anwesenden Gäste diese Glocke als Andenken an die Hochzeit. Und da der mallorquinische Adel wohl auch eingeladen war, steht eine dieser Glocken in Els Calderes.

Dieses seltsame Gerät mit den Rädern und dem Rohr nach oben ist ein Zeugnis früher Antriebstechnik: Es handelt sich um den ersten und ältesten Einzylinder-Petroleum-Motor der Insel. Hiermit wurden die Mahlsteine angetrieben, mit denen das Getreide gemahlen wurde. Leider ist der Motor nicht mehr in Betrieb, obwohl ich sicher bin, dass eine kleine Wartung das Ding wieder flott machen würde. Solch eine solide und einfache Motortechnik lässt sich doch durch lächerliche 100 Jahre nicht den Spaß verderben Smile.gif Eine alterenative Antriebstechnik für z.B. die Wasserpumpe ist der Esel. *grummel*

Und nun nochmal zur ‘Sobrasada’ beziehungsweise seinem ‘Lieferanten’: dem schwarzen Schwein (Katalan. porc negre). Diese Schweinerasse wird auf Mallorca nach traditionell überlieferter Weise gezüchtet und gefüttert. Und wie andere Schweine brauchen auch die schwarzen einen Zuchteber, lt. Schild liebevoll ‘Reproductor’ genannt.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.